FIBROMYALGIE-SYNDROM
Das Fibromyalgie-Syndrom wird mit FMS abgekürzt.
Schätzungsweise leiden 2% der Bevölkerung, überwiegend Frauen, unter einem Fibromyalgie -Syndrom. Derartige Schätzungen sind aber mit Vorsicht zu genießen, denn nicht jeder Arzt weiß, was ein Fibromyalgie -Syndrom ist und kann deshalb diese Schmerzkrankheit gar nicht diagnostizieren.
Dann gibt es andere Ärzte, die das Fibromyalgie-Syndrom zwar kennen, aber es nicht als eigenständige Schmerzerkrankung gelten lassen, sondern mehr "psychische Aspekte" (um es vorsichtig auszudrücken) dahinter vermuten. Leider sind diese Ärzte häufiger bei Begutachtungen anzutreffen, so z.B. im Auftrag der Rentenversicherungen. Entsprechend fallen die Gutachten aus und werden dem Leidensbild der betroffenen Patienten in keinster Weise gerecht. Man könnte ganze Bände darüber schreiben!
Wie kann ein Patient selbst merken, daß er an einem Fibromyalg ie-Synd rom (FMS) erkrankt ist? Hier ein paar grobe Anhaltspunkte, die natürlich diese Diagnose nicht definitiv bestätigen, dies muß einem (erfahrenen) Arzt vorbehalten bleiben.
Wenn von diesen 6 Kriterien 4 zutreffen, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, an einem Fibromyalg ie-Synd rom zu leiden.
Diese Web-Seite soll dazu beitragen, das Fibromyalgie-Syndrom möglichst frühzeitig zu erkennen, damit die betroffenen Patienten rasch einer adäquaten Therapie zugeführt werden können und damit meinen wir die Spezielle Schmerztherapie.
Hier nun eine ausführliche Beschreibung der Krankheit
Das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ist durch eine Vielzahl diffuser, breitflächiger, spontan schmerzhafter Regionen mit wechselnden "rheuma tischen" Beschwerden im muskuloskelettalen (= Muskeln und Skelett betreffenden) System bei insgesamt deutlich erniedrigter Schmerzschwelle gekennzeichnet. Bei diesen Ganzkö rperschmerz en liegt eine Kombination von psychischen, neurologischen und funktionellen Störungen vor.
Das
Fibromyalg ie-Synd
rom (FMS) kann mit folgenden Symptomen
(= Krankheitszeichen) einhergehen:
Quelle: Prof. Dr. W. Müller, Prof. Dr. Wolfe, Prof. Dr.
P.A. Berg
| Tender-Points (= Schmerz-Druckpunkte) | 90,1-100 % |
| Myalgie (= Muskelschmerz) | 80-97,6 % |
| Hyperhidrosis (= krankhaft vermehrt Schweißbildung) | 76 % |
| Morgensteifigkeit | 67-77 % |
| Arthralgie (= Gelenkschmerz) | 60 % |
| Unverträglichkeitsreaktionen / Allergien | 60 % |
| Kopfschmerz / Migräne | 52,8-95 % |
| Depressionen | 31,5-51 % |
| Chronische Müdigkeit | 50-81,4 % |
| Colon irritable (= Reizdarmsyndrom) | 29,6-40 % |
| Dysmenorrhoe (= schmerzhafte Regelblutungen) | 40 % |
| Subjektive Schwellungen | 38 % |
| Schlafstörungen / fehlende Tiefschlafphase | 74,6-92 % |
| Konzentrationsschwäche | 32 % |
| Abgeschlagenheitsgefühl | 32 % |
| Schwindelgefühl | 27 % |
| Parästhesien (= Kribbeln, Prickeln, Taubsein) | 21-62,8 % |
| Ekchymosen (= kleine fleckige Blutungen / blaue Flecken) | 20 % |
| Sicca-Symptome (= Trockenheit der Schleimhäute) | 35,8-77 % |
| Subfebrile Temperaturen (37,1 – 38,0°) | 11 % |
| Blasenschmerz bei Reizblase | 10-26,3 % |
| Raynaud Krankheit (= Durchblutungsstörungen der Hände u. Füße) | 15-16,7 % |
| Tachykardie/Arrhythmie (= erhöhte bzw. unregelm. Herzfrequenz) | 24-50 % |
Hinzuzufügen wären noch das Restless legs-Syndrom (= unruhige Beine), das bei ca. 40% unserer Fibromyalgie -Patienten vorlag. Erwähnenswert ist noch eine neuroendokrine Dystonie (= Drüsen- und Nervenstörungen) (Hoerster 1997).
Der Symptomkomplex "Müdigkeit" zeichnet sich aus durch:
Überschießende Reaktion auf physischen und psychischen
Streß mit rascher
Ermüdbarkeit und rascher Erschöpfung, geringere Belastbarkeit,
Leistungsschwäche und Konzentrationsstörung.
Die Schlafstörung betrifft besonders die Tiefschlafphase IV (Non-REM-Phase),
verursacht ein Gefühl der Zerschlagenheit und verhindert einen erholsamen
Schlaf.
Depression und andere psychische Störungen bestehen bei
mehr als 50% der Fibromyalgie-Patienten; häufige Kombination von
emotionalem und psychischem Dys
streß.
Das Fibromyalg ie-Synd rom (FMS) ist eine häufig auftretende Erk rankung, die nicht auf bestimmte soziologische und ethnische Gruppen sowie Rassen beschränkt ist. Ca 0,7 bis 3,2% der Bevölkerung sind von dieser Schmerzkrankheit betroffen, Frauen viel häufiger als Männer. Dieses Schmerzsyndrom tritt am häufigsten bei Frauen zwischen 20 und 50 Jahren auf, ist aber auch bei älteren Patienten immer wieder anzutreffen.
Regelmäßig finden sich beim Fibromyalg ie-Synd rom (FMS) druckschmerzhafte Punkte an 18 definierten Stellen (Tender points, jeweils links und rechts):
Umgekehrt gibt es beim Fibromyalg ie-Synd rom (FMS) 13 nicht druckschmerzhafte Kontrollpunkte (jeweils links und rechts, gilt nicht für Stirnmitte):
In der Regel können beim
Fibromyalg ie-Synd
rom (FMS) keine
Organerk rankungen aufgedeckt werden, die Röntgenbefunde sind normal, ebenso die
Laborwerte (Entzündungsparameter, Diff. Blutbild, Rheumaserologie,
Immunglobuline und
Muskel
enzyme). In 30-70% sind die Antikörper gegen Serotonin,
Phospholipide, Ganglioside und Nukleoli positiv.
Die Muskelbiopsie
Die Komplexität der Symptome (= Krankheitszeichen) läßt großen Spielraum für differentialdiagnostische Erwägungen (= was außer einem FMS sonst noch an Krankheiten in Betracht kommen könnte):
Tritt das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) im Gefolge einer definierten Grundkrankheit auf, so spricht man von einem "sekundären Fibromyalg ie-Synd rom (FMS)".
Ätiologie (=
Krankheitsursache) und Pathogenese (=
Krankheitsentwicklung) sind
noch unbekannt und führen zu kontroversen Spekulationen.
Viele Arbeiten zum Nachweis einer Koinzidenz (=
zeitliches Zusammentreffen von Ereignissen)
psychopathologischer (= krankhaft
psychischer) Phänomene bei
Panalgesie
(=
Ganzkör perschmerz en)
-Syndromen sind aber methodisch nicht immer nachvollziehbar. Die Tatsache, daß
bei vielen dieser Patienten keine psychologischen Besonderheiten nachzuweisen
sind, spricht nach Wolfe (1984) gegen eine primär psychogenetische
Erklärung beim Fibromyalgie-Syndrom (FMS). Die psychischen Besonderheiten bei einer
Reihe von Patienten könnten auch sekundär durch den Krankheitsverlauf
aufgetreten sein.
Nicht selten bestehen Partnerschaftskonflikte (Hansen
1991).
Differentialdiagnostisch (= welche
Krankheiten außer einem FMS
noch in Frage kommen) ist zu bedenken,
daß sich hinter einer scheinbar monokausalen Pana lgesie
(= durch 1 Krankheit verursachte Ganz
körperschmerzen)
auch ein ps ychogenes (= psychisch verursachtes)
Schmerzsyndrom verbergen kann.
Schmerztherapie bei Fibromyalg ie-Synd rom (FMS) bzw. bei diesen Ganzkör perschmerz en:
Das komplexe Beschwerdebild erfordert eine stationäre interdisziplinäre, multimodale
(=
mehrere Maßnahmen beinhaltende) Therapie im
Rahmen der "speziellen Schmerztherapie", optimal in einer Schmerzklinik.
Bei multikausaler Genese (= durch
verschiedene Krankheiten verursachte Entwicklung)
der
Panalgie
(= Ganzkör
perschmerzen)
werden die einzelnen Schmerzbilder entsprechend ihrer Dominanz behandelt. Da in
der Regel die Schmerzschwelle herabgesetzt ist, ist eine begleitende
schmerzdistanzierende Medikation mit einem tri- oder tetrazyklischen
Antidepressivum
(z.B. Doxepin, Maprotilin), evtl. vorübergehend auch in Kombination mit einem
Neuroleptikum (z.B. Levomepromazin) (=
Mittel zur Behandlung der Psyche, aber auch gegen Schmerz en wirksam)
sinnvoll.
Hilfreich ist beim
Fibromyalg ie-Synd
rom (FMS) auch eine initiale (=
bei Therapiebeginn durchgeführte) 3-4 tägige
psychovegetative Entspannung durch eine sogenannte "Schlafkur". Zur
wiederholten Schlafinduktion verwenden wir 1-2 mg Flunitrazepam
(Rohypnol ®),
zusätzlich geben wir 1-2 mal täglich 40 mg Prothipendyl (Dominal forte ® ).
Zunächst sollte der Patient über die prinzipiell gutartige Natur der Erk rankung
aufgeklärt werden, wobei aber mögliche Folgen einer Chronizität
(psychosoziale Aspekte, Risiken einer ständigen Medikamenteneinnahme) nicht
verschwiegen werden sollten. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und
Patient kann den bis dahin unbefriedigenden Verlauf durchbrechen. Es ist aber
auch zu bedenken, daß weitere erfolglose Therapieversuche erneut zu
Enttäuschungen führen können, die einer weiteren Chronifizierung Vorschub
leisten.
Desweiteren ist beim Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ein therapeutisches Vorgehen erforderlich, das den
multifaktoriellen Ursprung dieser
Schmerzerkrankung
berücksichtigt. Dazu gehört
insbesondere eine begleitende
psychologische Schmerztherapie, die zu einer
Verbesserung der Schmerzverarbeitung bzw. Erhöhung der Schmerztoleranz
beiträgt (Schmerzbewältigungstraining).
Eine
schmerzdistanzierend
e,
antidepressive
Behandlung sollte bei Patienten mit
Fibromyalg ie-Synd
rom (FMS) frühzeitig
eingesetzt werden, zumal damit auch eine Besserung der häufig bestehenden
Schlafstörungen zu erreichen ist.
Periphere
Analgetika
(= Schmerzmittel) können versucht werden,
überwiegend ist damit jedoch keine zufriedenstellende Schmerzreduktion zu
erreichen. Auch der Einsatz von
Opioide
n (z.B. Morphium) ist oftmals
enttäuschend.
Eher sahen wir eine positive Wirkung bei Verabreichung von Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung),
vor allem Tolperison (Mydocalm®). Alternativ kann Baclofen (z.B. Lioresal®)
verordnet werden.
Auch die
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika)
in Form einer Triggerpunkt-Behandlung, Infiltrationen besonders schmerzhafter
Körperbereiche, aber auch Nervenblockaden, falls notwendig sogar
kontinuierlich
mit Katheter (= eingepflanztem
Kunststoffschlauch) (optimal
im
Armbereich),
ist beim Fibromyalgie-Syndrom (FMS) oftmals hilfreich.
Bei Vorliegen einer sympathischen
Überaktivität sind epidurale (=
rückenmarknahe) oder periphere
Sympathikusblockaden
(= Blockaden am unwillkürlichen Nervensystem) erfolgversprechend.
Physiotherapeutische Behandlungsmaßnahmen
(u.a. Krankengymnastik) werden meist als angenehm empfunden und steigern
damit das körperliche Wohlbefinden. Sie sollen dazu beitragen, den Patienten
mehr Vertrauen zum eigenen Körper zu vermitteln und die Mobilität zu steigern.
Werden z.B. nur Massagen verordnet, besteht die Gefahr, daß sich passive
Tendenzen im Krankheitsverlauf verstärken. Ohnehin
sind die üblichen Massagebehandlungen (Ausnahme: Spezialmassagen wie. z.B.
Bindegewebsmassagen oder Lymphdrainagen) aus schmerztherapeutischer Sicht
völlig entbehrlich und werden von uns auch nicht mehr verordnet.
Bei einem fortgeschrittenen Fibromyalg ie-Synd rom ist die notwendige krankengymnastische Therapie meist schmerzbedingt nicht oder nur sehr eingeschränkt durchführbar, so daß übliche Rehabilitationsbehandlungen mit dem Schwerpunkt "Physiotherapie" zwar nicht umsonst, in aller Regel aber vergeblich sind. Der große Vorteil einer gezielten Schmerzrehabilitation ist der, daß den krankengymnastischen Beübungen jeweils eine intensive ärztliche Behandlung vorgeschaltet werden kann. Mit der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) läßt sich die Schmerzempfindung deutlich herabsetzen, so daß dann eine sinnvolle Krankengymnastik erfolgen kann.
Nur die konsequente Durchführung der genannten, interdisziplinär (= mehrere medizinische Fachrichtungen betreffende) angelegten Therapiemaßnahmen im Rahmen der speziellen Schmerztherapie kann bei Ganzkö rperschmerzen aufgrund eines Fibromyalg ie-Synd rom s (FMS) eine, nicht selten sogar eindrucksvolle Beschwerdelinderung bewirken.
Zum Schluß nochdie gute Nachricht für alle Schmerzpatienten
Sozialgericht stärkt die Rechte von Schmerzpatienten. Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden, er muß also nicht irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren sondern kann unter Hinweis auf das Urteil gleich Widerspruch einlegen. Hier gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik
Aktualisiert: 20.05.2006
k u
A
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Achillodynie,
Achillessehnenentzündung,
Adoleszentenkyphose,
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Algoneurodystrophie,
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alkoholische Polyneuropathie,
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anhaltende somatoforme Schmerzstörung,
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B
Baastrup,
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C
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Polyneuropathie
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Zervikogener Kopfschmerz,
Zervikozephalgie,
Zosterneuralgie (www.brennschmerzen.de/zosterneuralgie),
Zosterschmerz
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k u 1.06.06 www.fibromyalgie-syndrom.org